Dokumente einer Ballonfuchsjagd 

Die Tonbandaufnahme und den dazugehörigen Artikel aus dem OldMan 11/1952, habe ich vor vielen Jahren von „Fox“ (HB9PT) erhalten. Die Tonaufnahme wurde anlässlich einer vom TCS organisierten Ballonfuchsjagd am 05.10.1952 auf einem „Recordophone“-Stahldraht-Recorder erstellt; sehr wahrscheinlich durch HB9KU (Dr. Luigi Valpiana), der im Zolli-Restaurant die Empfangsstation bediente. Um 1985 verschenkte HB9KU das nicht mehr funktionierende Recordophon an HB9PT. Dieser reparierte das Gerät einige Jahre später und fand auf einer der Stahldrahtspulen die Reportage über die Ballonfuchsjagd. Als er mir davon erzählte, bat ich ihn, mir eine Kopie des Tonträgers zu senden.

Die an dieser historischen Fuchsjagd beteiligten Amateure waren:

HB9BJ Dr. Ernst Iselin

HB9FA Siegi Bürgin

HB9KU   Dr. Luigi Valpiana

HE9RDX Dr. Etienne Héritier (HB9DX), damals noch Empfangsamateur (daher HE9R…)

 

HB9AGI, Beat

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Bericht aus (OldMan Nr. 11/1952), Abschrift

 

HB1FA/AM an Bord des Ballons „MUNGG“, HB-BIK

Die Sektion beider Basel des Touring-Club der Schweiz veranstaltete am 5. Oktober wiederum eine Fuchsjagd für Automobilisten und Motorradfahrer. Die Konkurrenten hatten den Ballon zu verfolgen und sich möglichst rasch am Landeort einzufinden. In Verbindung mit der Sektion Basel des EVU und unter der Leitung von HB9BJ wurde auch dieses Jahr zwischen dem Ballon und einer Bodenstation eine drahtlose Telephonieverbindung auf 79 m eingerichtet. Uber eine Verstärkeranlage konnten die Zuhausegebliebenen den Reportagen aus dem Ballonkorb folgen. Daneben wurden meteorologische Informationen und Mitteilungen des Flugsicherungsdienstes vermittelt.

Im Ballonkorb wurde wiederum der im 0ldMan 12/1951 beschriebene Allband-Sender mit Clamp-Tube-Modulation, ein BC 348 sowie ein 12 V/40 Ah-Akkumulator mit Umformer installiert .Die Antennenfrage war mit einer 40 m langen Schleppantenne rasch gelöst. In der Radiozentrale Restaurant Zoologischer Garten war die Station von HB9KU (pp 807s) aufgestellt. Als Empfänger dienten ein BC 348 und ein SX-25. Die Antenne bestand aus einem Halbwellen-Dipol. Ferner war ein Telephon mit eigenem Amtsanschluss installiert. Alle diese Arbeiten wurden, soweit möglich, schon am Vortage ausgeführt. Auch die Drehleiter des EWB musste zum guten Gelingen der Aktion beitragen, da ein OM beim Antennenbau etwas unsanft mit der Aufhängung einer Strassenlaterne in Berührung gekommen war und die Glasverschalung nur noch an einer Seite befestigt, bedrohlich in die Tiefe hing.

Infolge des schlechten Wetters musste der Start um drei Stunden auf 1200 Uhr verschoben werden. Unglücklicherweise traten gerade beim Start Fallwinde auf, sodass der Korb zum Schrecken der Besatzung und des Publikums zunächst mit einem Gebäude, dann mit dem Gestänge des Gaskessels kollidierte. Erst nach starker Ballastabgabe erhob sich der Ballon endgültig in die Lüfte. Die Reportage über den Start war plötzlich abgebrochen (u.a. war die Antenne gerissen) und es dauerte einige Minuten, bis sich HB1FA wieder meldete. Er konnte mitteilen, dass an Bord alles wohlauf sei. Die Reportagen konnten programmgemäss durchgegeben werden.

Sowohl die Aufgabe der Konkurrenten als auch die unsere wurde durch die hohe Geschwindigkeit des Ballons erschwert. Als der Ballon über Schaffhausen stand war die Feldstärke für eine Übertragung über die Verstärker-Anlage bereits ungenügend. Hier schaltete sich HB9AA in verdankenswerter Weise als Relaisstation ein.

Um 1430 erfolgte die „Reissleinenlandung" bei Schlattingen (TG), die durch einen Bodenwind von 50 km/h erschwert wurde. Der Korb wurde zunächst durch die Baumwipfel eines Wäldchens gezogen, wobei eine Föhre geknickt wurde. Hierauf erfolgte der Aufschlag am Boden. Der Wind riss die Kugel weiter, der Korb kippte um und durchpflügte ein Kornfeld bis das Gas vollständig entwichen war. Der als Passagier mitfahrende Ballonpionier Dr. E, Tilgenkamp, der seine 253.Ballonfahrt absolviert hatte, trug einen Schienbeinbruch, einen Handgelenkbruch sowie Rippenbrüche davon. Dr. E. F. Schildknecht, der als Reporter fungierte, erlitt eine Wirbelverschiebung. HB9FA kam mit leichten Schürfungen und Quetschungen davon während der Pilot, Dr .Th. Holbro, unverletzt blieb. Die Radiostation wurde äusserlich leicht beschädigt, funktionierte jedoch einwandfrei, nachdem die Föhrennadeln und der Sand aus ihr entfernt worden waren .

Anlässlich der. Preisverteilung am Sonntagabend wurden. den Konkurrenten Ausschnitte aus den Reportagen ab Stahldraht vorgeführt.

Zum Schluss möchten wir allen Om‘s, die Rapporte vermittelten und mithalfen, unsere Frequenz freizuhalten, herzlich danken. Leider konnten nicht alle Anrufe an die Ballonstation beantwortet werden, da mit dem Akkumulator sparsam umgegangen werden musste.

HE9RD, Etienne Héritier

 

OldMan 11/1952 Ein PDF-File aus diesem OldMan zur Verfügung gestellten von Dr. Beat Pfrunder OldMan.pdf

Hier sind noch die Ton-Aufnahmen der Ballonfahrt MUNK

 

 

   
 
   
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